Rente stärken

Marina Gabel, 59, Berlin, Erzieherin, Dozentin Arbeits- u. Sozialrecht

Marina Gabel, 59, Berlin, Erzieherin, Dozentin Arbeits- u. Sozialrecht

Marina Gabel arbeitete 17 Jahre als Erzieherin und seit 13 Jahren als Dozentin für Arbeits- und Sozialrecht

  • Erwartete Rente: 701,30 Euro gesetzliche Rente und rund 100 Euro aus einer privaten Rentenversicherung

  • Rentenmindernd: Unterbrechung der Erwerbstätigkeit, um jemanden zu pflegen, Soloselbstständigkeit

„Sobald ich in Rente gehe, erwartet mich ein gnadenloser Papierkrieg. Denn nach derzeitigem Stand reicht meine gesetzliche Rente vorne und hinten nicht: 701,30 Euro stehen mir laut Rentenbescheid zu. Und auch die 20 Jahre, in denen ich jeden Monat 50 Euro in einer privaten Rentenversicherung gespart habe, werden mich nicht davor bewahren, meine Vermögensverhältnisse offenlegen zu müssen.

Ich habe jemanden gepflegt. Danach habe ich erleben müssen, wie schwierig es ist, diese Pflegezeiten rentenrechtlich anerkannt zu bekommen.

Marina Gabel

Etwa 100 Euro kann ich monatlich aus der Zusatzversicherung erwarten und werde doch staatliche Unterstützung beantragen müssen. Ich finde das ehrlich gesagt entsetzlich, aber solange ich mich darüber aufregen kann, geht es mir ja noch gut. Sorgen mache ich mir vor allem um die Zeit, wenn ich es geistig und gesundheitlich nicht mehr schaffe. Mit 65 Jahren in Rente zu gehen, kann ich mir daher natürlich nicht leisten. Ich werde meine Arbeitskraft anbieten, so lange es geht.

Da ich in der DDR sozialisiert wurde, bin ich nach der Geburt meines Kindes schnell wieder als Erzieherin arbeiten gegangen. Das ist natürlich gut für meine Rentenpunkte. Später habe ich jemanden gepflegt. Danach habe ich erleben müssen, wie schwierig es ist, diese Pflegezeiten rentenrechtlich anerkannt zu bekommen.

Wir brauchen Regelungen, die Soloselbstständige davor schützen, dass Unternehmen und ebenso die öffentliche Hand Niedrigsthonorare an uns zahlen.

Marina Gabel

Hier muss dringend nachgebessert werden. Und für die Einkommens- und somit auch die Rentensituation von Soloselbstständigen muss ebenfalls einiges getan werden: Ich habe nochmal studiert, arbeite seit 2004 als freiberufliche Dozentin für Arbeits- und Sozialrecht und Politik, doch die Honorare für uns sind angesichts der geringen Anzahl der Aufträge zu niedrig. Wir brauchen Regelungen, die Soloselbstständige davor schützen, dass Unternehmen und ebenso die öffentliche Hand Niedrigsthonorare an uns zahlen. Ach, und der Honorarrechner von ver.di könnte langsam auch mal online gehen...“

ver.di - Wir sind die Gewerkschaft für Selbstständige

Rund 30.000 ver­.­di-Mit­glie­der ver­die­nen ihr Geld haupt­säch­lich als So­lo­-Selbst­stän­di­ge. Vie­le wei­te­re ar­bei­ten ne­ben­be­ruf­lich in die­ser Er­werbs­for­m. ­Selbst­stän­di­ge in ver­.­di sind zwar an­ders be­schäf­tigt als die Mehr­heit der Mit­glie­der, doch ih­re ge­werk­schaft­li­chen In­ter­es­sen sind ganz und gar nicht exo­tisch: Nur in So­li­da­ri­tät un­ter­ein­an­der und mit an­ge­stellt Be­schäf­tig­ten kön­nen So­lo­-Selbst­stän­di­ge auch ge­gen star­ke Auf­trag­ge­ber und po­li­ti­sche Wi­der­stän­de ei­ne bes­se­re Al­ters­si­che­rung er­rei­chen.

Marina Gabel

Marina Gabel
Foto/Grafik: Renate Koßmann