Rente stärken

Sarah Karczewski, 24, aus Enger (NRW), Tageszeitungszustellerin

Sarah Karczewski, 24, aus Enger (NRW), Tageszeitungszustellerin

Sarah Karczewski, 24, hat eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten abgeschlossen, sie arbeitet seit 2012 als Tageszeitungszustellerin

  • Erwartete Rente: Ist vom Renteneintritt noch zu weit entfernt, hat einen Riester-Rentenvertrag als Vorsorge abgeschlossen

  • Rentenmindernd: Zeitungszusteller verdienen weniger als den Mindestlohn

„Die Summe auf meinem Rentenbescheid ist so niedrig, dass ich sie gleich wieder vergessen habe. Wenn ich in meinem derzeitigen Job bleibe, wird sich diese Zahl auch nicht merklich verändern. Das bedeutet für mich, dass ich im Rentenalter gerade mal mit dem Existenzminimum rechnen kann. Und das macht mir nicht nur Angst, sondern es macht mich auch wütend.

Es ist unheimlich schwer, eine Vollzeit-Stelle in meinem gelernten Beruf zu finden. Ich wünsche mir, dass in unserem Sozial- und Rentensystem endlich auch auf die ganz Kleinen geachtet wird.

Sarah Karczewski

Denn ich trage in sechs Nächten in der Woche Tageszeitungen aus. Ich arbeite hart und kümmere mich als Betriebsratsvorsitzende ohne Freistellung täglich noch etwa drei Stunden um die Sorgen meiner Kolleginnen und Kollegen. Trotzdem verdiene ich nur circa 1.200 Euro brutto, denn wir Zeitungszustellerinnen und -zusteller bekommen nur 8,50 Euro die Stunde und liegen damit unter dem Mindestlohn, der aktuell bei 8,84 Euro pro Stunde liegt. Das sind zwar nur Cent-Beträge, aber es wirkt sich trotzdem negativ auf meine Rentenpunkte aus. In dieser Hinsicht blüht mir keine rosige Zukunft. Deshalb spare ich seit meiner Ausbildung auch privat für mein Alter, obwohl ich mir das eigentlich gar nicht leisten kann. In einem Riester-Vertrag lege ich jährlich 120 Euro beiseite und verzichte dafür auf kleine Reisen oder auch mal auf Kleidung.

Eigentlich war der Job als Zeitungszustellerin nur als Notlösung gedacht, da ich nach meiner Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten betriebsbedingt nicht übernommen werden konnte. Aber es ist unheimlich schwer, eine Vollzeit-Stelle in meinem gelernten Beruf zu finden.

Ich wünsche mir, dass in unserem Sozial- und Rentensystem endlich auch auf die ganz Kleinen geachtet wird. Wir arbeiten mitten in der Nacht, sind fast unsichtbar, aber auch wir sollten nach 45 Arbeitsjahren eine ausreichende Rente erhalten.“

Sarah Karczewski

Sarah Karczewski
Foto/Grafik: Christina Lux