Rente stärken

Faktencheck!

Faktencheck!

Behauptet wird: Die Rente mit 70 ist kein Problem

Richtig ist:

Die Lebenserwartung der Menschen steigt. Gleichzeitig verbessern sich aber nicht automatisch die körperlichen und psychischen Voraussetzungen für ein längeres Arbeitsleben. Wer ein Leben lang körperlich hart gearbeitet hat, kann häufig nicht bis 65 oder 67 weiterarbeiten. Deshalb ist es zu einfach, nur auf die Lebenserwartung abzustellen. Aussagekräftiger ist die „beschwerdefreie Lebenserwartung“, die angibt bis zu welchem durchschnittlichen Alter ohne körperliche und geistige Einschränkungen gelebt werden kann. Dieses Alter liegt bei nur 56 Jahren. Zudem ist es für ältere Menschen schwerer, Arbeit zu finden. Ihre Arbeitslosenquote liegt über dem Durchschnitt. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre würde sehr viele ältere Menschen zu stark belasten. Bei einer Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters wären sie gezwungen frühzeitig und mit Abschlägen in Rente zu gehen. Das würde de facto eine Rentenkürzung bedeuten.

Klar ist außerdem: Länger arbeiten wollen und länger arbeiten müssen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Viele Rentnerinnen und Rentner haben einen Nebenjob, weil sie anders gar nicht mehr über die Runden kommen. Das darf nicht sein. Wer den Großteil seines Lebens gearbeitet hat, muss die Möglichkeit haben, in der Rente arbeitsfrei leben zu können.

Behauptet wird: Höhere Lohnnebenkosten gefährden Arbeitsplätze

Richtig ist:

Deutschland hat kein Lohnkostenproblem. Seit über 20 Jahren hören wir dieselbe Panikmache: Die hohen Lohnnebenkosten gefährden angeblich die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Dahinter steht das Interesse der Unternehmen, ihre Kosten zu senken, um ihre Gewinne zu erhöhen.

Tatsächlich sind die so genannten Lohnnebenkosten – gemeint sind hauptsächlich Sozialversicherungsbeiträge – im Vorfeld der Rentenreformen kaum gestiegen. Seit Mitte der 1990er Jahre blieben die heimischen Arbeitskosten - die Lohnnebenkosten sind Teil dieser Arbeitskosten - hinter den Produktivitätszuwächsen zurück. Die deutschen Unternehmen waren folglich immer wettbewerbsfähig. Das dokumentieren auch ihre hohen Exportüberschüsse. Mittlerweile sind diese Überschüsse noch weiter angestiegen. Sie haben sich zu einem großen wirtschaftspolitischen Problem entwickelt und sind ein wichtiger Grund für die Krise des Euroraums.

Behauptet wird: Die gesetzliche Rentenversicherung ist zu teuer, deshalb müssen wir uns privat versichern

Richtig ist:

Die gesetzliche Rentenversicherung ist sicherer und rentabler als die private Rentenversicherung. Im Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung finanzieren die Erwerbstätigen mit ihren Beiträgen die Rentnerinnen und Rentner. Weder die Versicherten noch die Rentenkasse müssen Geld ansparen. Folglich unterliegt die gesetzliche Rente nicht dem Risiko von Aktien-, Wechselkurs-, Zins- oder Immobilienpreisschwankungen. Finanzmarktkrisen können der gesetzlichen Rente nichts anhaben.

Zudem sind die Kosten der privaten kapitalgestützten Altersvorsorge hoch. Provisions-, Marketing- und Vertriebskosten fallen bei der gesetzlichen Rente nicht an. Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Rentenversicherung sind niedriger. Darüber hinaus sind private Renten nicht an die allgemeine Lohnentwicklung geknüpft. Sie schließen keine durch Arbeitslosigkeit und Erziehungszeiten entstandenen Sicherungslücken. Auch Erwerbsminderung sichern sie nicht automatisch ab.

Aktuelle Studien beziffern die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung auf drei bis vier Prozent für Männer und 3,6 bis 4,75 Prozent für Frauen. Bei Riester-Verträgen gibt es hingegen nur eine Rendite von 2,35 und 3,89 Prozent für Männer und zwischen 2,98 und 3,91 Prozent für Frauen. Die aktuellen Niedrigzinsen sind dabei überhaupt noch nicht berücksichtigt.

Für viele Beschäftigte wirft die kapitalgedeckte Altersvorsorge überhaupt keine Rendite ab. Sie haben nämlich keine. Millionen geringverdienender Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können nicht privat vorsorgen, da ihnen das nötige Kleingeld fehlt. Für die meisten Friseurinnen, Lageristen und Kassiererinnen ist und bleibt die gesetzliche Rente das einzige Einkommen im Alter. Diese Geringverdienenden leiden unter der Absenkung des Rentenniveaus – und müssen zudem die Riester- und Rürup-Renten aus ihren Steuern subventionieren.

Behauptet wird: Wirkliche Altersarmut gibt es in Deutschland nicht

Richtig ist:

Altersarmut bedeutet in Deutschland zwar nicht, dass die lebensnotwendigen Grundbedürfnisse (Nahrung, Wohnung, etc.) nicht befriedigt werden können. Dennoch sind die Möglichkeiten am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben deutlich schlechter als die der Mehrheit der Bevölkerung. Die Armutsquote älterer Menschen liegt heute bei 14,4 Prozent. In absoluten Zahlen sind knapp 2,5 Millionen Menschen von Armut bedroht.

Aufgrund unsteter Erwerbsverläufe, Leiharbeit, Minijobs, Teilzeitarbeit, Niedriglöhnen, Arbeitslosigkeit und der Rentenkürzungen wird die Altersarmut in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung wird die Armutsrisikoquote bis 2036 auf 20 Prozent steigen könnte.

Nicht für alle Erwerbstätigen wird allein mit den Verbesserungen beim Rentenniveau das Thema Altersarmut vom Tisch sein. Daher braucht es weitere Anstrengungen in der Lohnpolitik, ebenso wie bei der Rentenpolitik. Auch für Langzeiterwerbslose müssen wieder Rentenbeiträge gezahlt werden.

Behauptet wird: Die Gesellschaft wird älter, deshalb muss auch das Renteneintrittsalter steigen

Richtig ist:

Die steigende Lebenserwartung und weniger Geburten sind nichts Neues. Von 1900 bis 2000 stieg die Lebenserwartung um mehr als 30 Jahre. Bis 2060 rechnet das Statistische Bundesamt dagegen nur mit einem Anstieg der Lebenserwartung von sechs bis neun Jahren. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Bevölkerung sank von 1900 bis 2000 von 44 auf 21 Prozent, also um 23 Prozentpunkte. Er soll bis 2050 nur noch um fünf Prozent auf 16 Prozent fallen.

Die gesetzliche Rentenversicherung beruht auf dem so genannten Umlageverfahren. Die Berufstätigen finanzieren unmittelbar die Renten derer, die nicht mehr arbeiten.

Da jeder Beschäftigte auch in Zukunft mehr Waren und Dienstleistungen herstellen wird – die Produktivität also steigt -, ist die gesetzliche Rente auch in einer alternden Gesellschaft problemlos finanzierbar. Trotz älter werdender Gesellschaft, hat die Rente also auch ohne Anhebung des Renteneintrittsalters Zukunft.

Behauptet wird: Ein höheres Rentenniveau ist nicht bezahlbar

Richtig ist:

Der Spielraum für die Auszahlung von Renten bestimmt sich durch die Einkommen, die in einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden. Denn aus diesen Einkommen werden die laufenden Rentenzahlungen finanziert. Diese Einkommen werden in Zukunft wachsen, denn auch in Zukunft werden technologischer Fortschritt und die effizientere Organisation von Produktion und Dienstleistungen die Produktivität beständig erhöhen.

Jede Bürgerin und jeder Bürger kann also trotz alternder Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten Einkommenszuwächse erhalten. Die Spielräume zur Finanzierung des Sozialstaats werden damit nicht kleiner, sondern größer.

Entscheidend ist dabei, dass die steigende Produktivität und Wertschöpfung der Volkswirtschaft tatsächlich zu steigenden Realeinkommen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führt und nicht vorrangig bei den Gewinnen und Vermögenseinkommen landet, und dass diese Einkommen auch tatsächlich zur Finanzierung der Rente herangezogen werden. Auch in Maßen steigende Beitragsätze sind dann leicht verkraftbar um einen höheren Anteil von Rentnerinnen und Rentnern zu finanzieren.

 

Behauptet wird: Die jungen Leute zahlen die Zeche und haben am Ende nichts von der Rente

Richtig ist: 

Die heutigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen für die Rentnerinnen und Rentner von heute ein. Dafür erwerben sie den Anspruch, ebenfalls im Alter durch dieses Umlagesystem eine Rente zu beziehen. Dann zahlen nämlich diejenigen die gerade arbeiten für sie ein. Die junge oder arbeitende Generation muss auch nicht mehr bezahlen als frühere Generationen. Im Vergleich zu den 80er Jahren ist der Rentenbeitrag auf dem gleichen Niveau. Zudem ist die Produktivität gestiegen.

Dadurch kann die Rente nach wie vor solide finanziert werden, ohne die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über Gebühr zu belasten.