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Höchster Stand seit 13 Jahren

Immer mehr Beschäftigte mit niedrigen Einkommen

Die gute Nachricht: Der Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2016 positiv entwickelt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit ist deutlich gewachsen. Die schlechte Nachricht: Noch stärker hat die atypische Beschäftigung zugenommen. Der Anteil von Teilzeitstellen, Leiharbeit und Minijobs an der Gesamtbeschäftigung ist erneut gestiegen und befindet sich auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren.

„Insbesondere die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter hat 2016 weiter zugenommen.“

Dr. Toralf Pusch, Arbeitsmarktexperte des WSI

39,6 Prozent aller Beschäftigten in atypischen Jobs

Unterm Strich waren 2016 rund 39,6 Prozent aller abhängigen Beschäftigten (ohne Beamte und Selbständige) in sogenannten atypischen Jobs tätig, 2015 lag die Quote bei 39,3 Prozent. „Insbesondere die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter hat 2016 weiter zugenommen“, sagt Dr. Toralf Pusch, Arbeitsmarktexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Immerhin: Die Zahl der oft besonders schlecht bezahlten und abgesicherten Minijobber habe hingegen um etwa 46.000 Beschäftigte abgenommen – auf 5,14 Millionen.

Den WSI-Daten zufolge arbeiteten 2016 etwa 23 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Teilzeitjobs. Diese Gruppe machte damit den größten Anteil der atypischen Beschäftigung aus. Längst nicht jede Teilzeitbeschäftigung sei prekär, betont Pusch. Allerdings sind Stundenlöhne unter der Niedriglohngrenze von 9,75 Euro brutto bei den Teilzeitbeschäftigten mit einem Anteil von gut 28 Prozent weit verbreitet. Zum Vergleich: Bei den Vollzeitbeschäftigten beträgt diese Quote nur etwa 11 Prozent, wie neueste Zahlen aus dem Sozio-ökonomischen Panel für 2015 zeigen. Zudem entspricht der Umfang der Teilzeitarbeit in vielen Fällen nicht den tatsächlichen Arbeitszeitwünschen der Beschäftigten.

Niedrige Löhne, niedrige Renten

Der Anteil der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter an den abhängig Beschäftigten lag im Jahr 2016 bei 2,6 Prozent. Auch sie sind stark von niedrigen Löhnen (46 Prozent) nach den neuesten verfügbaren Zahlen aus dem Sozio-ökonomischen Panel für 2015 betroffen. Wenn immer mehr Menschen dauerhaft im Niedriglohnsektor verharren, werden später auch immer mehr Rentnerinnen und Renter auf eine Grundsicherung angewiesen sein.

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