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Unbezahlte Arbeit umverteilen

Hausarbeit verschlechtert Einkommen und Rente von Frauen

Erneut hat eine Studie ergeben: Es sind die Frauen, die hauptsächlich die Kindererziehung und Hausarbeit stemmen. So lange das so bleibt, ist die Gleichstellung in Beruf und Gesellschaft nicht durchzusetzen, so das Fazit des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) in seiner jüngsten Studie. Die partnerschaftliche Arbeitsteilung, die sich viele Paare zwar wünschen, werde in der Realität dennoch nicht umgesetzt.

Fast jetzt zweite Frau arbeitet in Teilzeit

Frauen im Alter von 18 bis 64 Jahren verwenden tatsächlich 2,4-mal so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und das 1,6-fache für Hausarbeit wie Männer dieser Altersgruppe. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei Erwerbstätigen mit Kindern. Zwar arbeiten Männer wie Frauen in etwa gleich, rund 7 Stunden und 40 Minuten pro Tag. Allerdings gibt es große Unterschiede in der Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. 1,2-mal so viel Zeit wie die Frauen arbeiten die Männer bezahlt. Frauen leisten dafür eben mehr unbezahlte Arbeit im Haushalt und in der Familie, reduzieren dafür ihre bezahlte Arbeit. Erwerbstätige Frauen verwenden auf unbezahlte Arbeit im Schnitt 3:29 Stunden und damit etwa 1,6-mal so viel Zeit wie erwerbstätige Männer (2:08 Stunden). Fast jetzt zweite Frau arbeitet in Teilzeit, Mütter in Vollzeit sind eher die Ausnahme. Besonders groß ist das Missverhältnis von beruflicher und häuslicher Arbeit zwischen den Geschlechtern, wenn Kinder unter sechs Jahren im Haushalt leben. Und auch bei der Pflege von Angehörigen sieht es nicht besser aus. Frauen stellen mit 2,35 Millionen Pflegepersonen fast zwei Drittel derjenigen, die unbezahlte Pflegearbeit leisten.

Dass Frauen im Beruf häufig zurückstecken, hänge direkt mit der ungleichen Aufteilung der häuslichen Arbeit zusammen – und das habe erhebliche Auswirkungen auf das Einkommen, die beruflichen Chancen und am Ende auch auf die Alterssicherung der Frauen. „Gleichstellungspolitik sollte daher berufliche Gleichstellung von Frauen mit Anreizen für eine Umverteilung von unbezahlter Arbeit hin zu Männern verknüpfen“, heißt es in der Studie, „und für beide Geschlechter bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit schaffen“.

Die Studie zum Download