Rente stärken

Rente muss reichen - auch für junge Menschen

Rente muss reichen - auch für junge Menschen

Immer das Beste: Solidarität der Generationen

Rente ist für viele junge Beschäftigte im besten Fall weit weg. Im schlechteren Fall klingt es wie eine Drohung, wenn per Gesetz über viele Jahrzehnte Beiträge gezahlt werden müssen, aber im Alter trotzdem viel zu wenig herauskommen könnte. Nur 22 Prozent der jungen Beschäftigten glauben nach aktuellen Umfragen, dass sie später einmal „gut“ oder „sehr gut“ von der gesetzlichen Rente leben können. Arbeitgeber und neoliberale Wirtschaftsprofessoren hauen gerne in diese Kerbe. Sie kritisieren Verbesserungen bei der gesetzlichen Rente als „nicht generationengerecht“ und preisen die private Altersvorsorge, zum Beispiel mit der Riester-Rente, als bessere Alternative. Aber stimmt das wirklich?

Das Märchen von der lukrativen privaten Altersvorsorge

Spätestens seit dem weltweiten Zusammenbruch der Finanzmärkte 2008 ist das Heilsversprechen dauerhaft hoher Renditen bei privaten Geldanlagen in sich zusammengebrochen. Aktuell gibt es für Sparbücher kaum noch mehr als null Prozent Zinsen – im Klartext: Jede Preissteigerung lässt den Wert des Geldes schrumpfen. Darauf lässt sich im Alter nicht bauen. Das Risiko schwankender Börsenkurse, niedriger Renditen oder Finanzkrisen tragen bei der privaten Altersvorsorge allein die Versicherten, also die Beschäftigten. Auch das Argument, private Vorsorge helfe dabei, die Rentenbeiträge stabil zu halten, ist Augenwischerei. Von der Festschreibung der Rentenbeiträge profitieren nämlich allein die Arbeitgeber. Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung (aktuell 18,7 Prozent) wird paritätisch – also von Arbeitgebern und Arbeitnehmer/-innen zu gleichen Teilen – getragen. Doch während die Arbeitgeber mit 9,35 Prozent Beitrag zur Rente fein raus sind, wird von den Beschäftigten erwartet, dass sie 4 Prozent ihres Einkommens zusätzlich in eine private Riester-Vorsorge stecken. Mal abgesehen davon, dass vor allem Menschen mit geringen Einkommen oder in Teilzeit kaum Geld übrig haben, um privat vorzusorgen, investieren diejenigen, die der politischen Aufforderung zur privaten Vorsorge folgen, schon jetzt mehr als 13 Prozent in die Alterssicherung. Besser wäre es, die Rentenversicherungsbeiträge moderat zu erhöhen; dann trägt der Arbeitgeber die Hälfte und die besseren Leistungen kommen allen zugute.

Wie funktioniert die gesetzliche Rentenversicherung?

Die Altersversorgung bemisst sich nach Höhe und Dauer der im Erwerbsleben gezahlten Beiträge. Für die Frage, ob Beschäftigte davon im Alter in Würde leben können, ist das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung entscheidend. Wichtig zu wissen: Wenn Fachleute von Rentenniveau sprechen, ist damit nicht die Höhe einzelner Renten im Verhältnis zum letzten Einkommen gemeint, sondern es bezieht sich auf die Rente für eine „Kunstfigur”, die 45 Jahre lang immer den Durchschnittsverdienst bekommen hat. Anders als bei einer privaten Absicherung werden die Beiträge nicht auf einem persönlichen Konto angespart, sondern wer jetzt erwerbstätig ist, finanziert mit seinen Beiträgen die Renten der heutigen Rentnerinnen und Rentner. Die haben allerdings in ihrem Erwerbsleben die Renten der damaligen Rentner finanziert. Dieses Prinzip wurde 1957 eingeführt und hat trotz Wirtschaftsund Finanzkrisen, Wiedervereinigung oder hoher Arbeitslosigkeit immer zuverlässig funktioniert. Tatsächlich gibt es die

gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland bereits seit 1891. Seitdem wurden die Renten Monat für Monat zuverlässig gezahlt, nur im Mai 1945, zum Ende des Zweiten Weltkriegs, fiel die Rente ein einziges Mal aus.

Die Rente jetzt zukunftsfest machen

Doch das zuverlässige Prinzip ist in Gefahr und vor allem für jüngere Beschäftigte droht das Verhältnis von eingezahlten Beiträgen und erwartbarer Rente zu kippen. Grund dafür sind die Rentenreformen des letzten Jahrzehnts. Dadurch ist das gesetzliche Rentenniveau von einst 53 Prozent auf mittlerweile unter 48 Prozent gesunken. Ohne Kurswechsel würde es bei denjenigen, die heute etwa Mitte 30 sind, unter 42 Prozent sinken. Gleichzeitig wurde das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre angehoben. Und die Arbeitgeber wollen den Rentenbeginn noch weiter nach hinten verschieben. Verschärft wird das Problem durch den Wandel der Arbeitswelt. Befristungen, Leiharbeit, Teilzeitarbeit, Praktika und Minijobs haben die Arbeitswelt zwar flexibler gemacht, aber auch immer weniger planbar, vor allem für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger. Jeder zweite neue Arbeitsvertrag ist heute befristet oder in Leiharbeit. Kaum jemand kann ausschließen, dass Zeiten der Arbeitslosigkeit, Auszeiten für Weiterbildung oder Zeiten der Selbstständigkeit Teil des Berufslebens werden. Auch Erziehungszeiten oder die Pflege von Angehörigen wirken sich nicht nur im Erwerbsleben aus, sondern auch bei der Altersversorgung.

Kurswechsel: Die gesetzliche Rente stärken

Alle Gewerkschaften im DGB haben eine gemeinsame Rentenkampagne gestartet, weil ohne einen echten Kurs wechsel in der Rentenpolitik massenhafte Altersarmut, gerade auch für die heute jüngeren Beschäftigten, droht. Unsere Forderungen setzen beim gesetzlichen Rentenniveau an: Wir wollen die Stabilisierung des Niveaus bei 48 Prozent und im nächsten Schritt die Wiederanhebung auf rund 50 Prozent. Hinzukommen muss eine Aufwertung von geringen Renten und Erwerbsminderungsrenten auf eine deutlich über der Grundsicherung liegende Höhe. Und: Zeiten von Arbeitslosigkeit und Arbeit bei geringen Einkommen müssen spürbar rentenwirksamer angerechnet werden. Wir fordern: Lohn und Rente müssen für ein gutes Leben reichen!

Grafik: Produktivität schlägt Demografie ver.di Produktivität schlägt Demografie

Mehr Ältere, weniger Junge – wie soll das gehen?

Tatsächlich müssen immer weniger Menschen, die im Erwerbsleben stehen, für immer mehr Menschen im Rentenalter sorgen. Doch für die Rentenkasse ist nicht allein die Zahl der Erwerbstätigen entscheidend, sondern vor allem deren Produktivität, also die Ergiebigkeit der Arbeit pro Stunde. Im 19. Jahrhundert konnte ein einzelner Beschäftigter bzw. eine einzelne Beschäftigte in der Landwirtschaft kaum mehr als sich selbst versorgen. Bereits im Jahr 1950 konnte eine Arbeitskraft in der Landwirtschaft 14 andere Menschen versorgen, inzwischen sind es sogar 88 andere. Ähnliche, teils sogar noch eindrucksvollere Produktivitätsfortschritte gibt es auch in Industrie und Dienstleistungen. Vor allem sollten wir nicht auf die Scheinargumente derjenigen hereinfallen, die einen „Krieg“ Jung gegen Alt ausrufen wollen. Junge und Ältere haben die gleichen Interessen: Die Rentner wollen, dass es ordentliche Einkommenserhöhungen gibt und die Jüngeren sozial abgesicherte Jobs haben. Denn nur bei einer guten Lohnentwicklung steigen auch die Renten. Und die Jüngeren haben ein großes Interesse daran, dass die Renten und das Rentenniveau steigen. Dann starten auch sie später mit einem guten Rentenniveau. Deshalb: Zusammen für den Kurswechsel sorgen.

Testimonial: Junge Beschäftigte
Foto/Grafik: iStock-528046722