Rente stärken

Hans-Peter Kilian, 64, Augsburg, Fachkraft für Arbeitssicherheit

Hans-Peter Kilian, 64, Augsburg, Fachkraft für Arbeitssicherheit

Hans-Peter Kilian arbeitete als Krankenpfleger, war 15 Jahre bei der Bundeswehr, danach im Bewachungsgewerbe. Ausgebildete Fachkraft für Arbeitssicherheit, zurzeit Schwerbehindertenvertreter

  • Erwartete gesetzliche Rente: ca. 1.077,72 Euro

  • Rentenmindernd: Zeitweise Teilzeitarbeit

„Ich gehe im Oktober dieses Jahres in Rente. 1.077,72 Euro brutto werde ich im Monat bekommen. Das ist meine gesetzliche Rente, private Vorsorge war nicht möglich, dafür hat mein Einkommen nicht gereicht.

Eine so niedrige Rente heißt für mich, ich komme zurecht, aber ich muss genau rechnen. Meine kleine Wohnung in Augsburg ist zum Glück sehr günstig, sie kostet knapp 400 Euro warm. Die kann ich weiterhin bezahlen. Eine noch kleinere würde ich wohl auch kaum finden. Das wäre dann schon eher ein Wohnklo mit Kochnische. Ein Auto kann ich mir nicht leisten, ich fahre Fahrrad und mit den Öffentlichen. Es ist klar: Große Hüpfer werde ich als Rentner nicht machen können. Dabei will ich weiter am Leben teilhaben, auch mal ins Kino und ins Theater gehen.

Immer mehr Kollegen im Bewachungsgewerbe müssen weiterarbeiten, obwohl sie schon im Rentenalter sind, weil ihre Rente einfach nicht reicht. Und das sind längst nicht alle, denen Altersarmut droht.

Hans-Peter Kilian

Ich habe 47 Jahre gearbeitet, meist in Vollzeit. Begonnen habe ich als Sanitäter bei der Bundeswehr. 15 Jahre bin ich dort im Sanitätsdienst gewesen, musste als Alleinverdiener der Familie mit drei Kindern aber schon bald nach einem Nebenverdienst suchen. So bin ich im Bewachungsgewerbe gelandet, zuerst bei der Münchner Wach- und Schließgesellschaft. Seit 1987 war ich dann nur noch dort tätig, später stellvertretender Wachleiter in der Alarmzentrale einer großen Bank. Da haben wir zum Beispiel alle Geldautomaten in Bayern überwacht, es war viel Arbeit – und viel Verantwortung. Jetzt bin ich Schwerbehindertenvertreter und Nachrücker im Betriebsrat bei der Firma Piepenbrock Sicherheitsdienste.

Immer mehr Kollegen im Bewachungsgewerbe müssen weiterarbeiten, obwohl sie schon im Rentenalter sind, weil ihre Rente einfach nicht reicht. Bei uns im ver.di-Fachbereich Besondere Dienstleistungen trifft es viele Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel aus den Callcentern und der Zeitarbeit, auch viele Arbeiterinnen und Arbeiter sind davon betroffen. Und das sind längst nicht alle, denen Altersarmut droht. Meiner Tochter, die Friseurin ist, sage ich oft: „Sieh zu, dass du dir irgendwie eine Vorsorge leisten kannst.“ Mit zu wenig Rente sinkt die Lebensqualität drastisch. Viele Menschen werden dann einsam. Wenn in Deutschland nicht ganz schnell das Rentensystem geändert wird und wir es so machen wie in Österreich – mit einer Rente von durchschnittlich 1.800 Euro 14-mal im Jahr –, wird es für viele Menschen sehr schwer, im Alter zurechtzukommen.“

Hans-Peter Kilian

Hans-Peter Kilian
Foto/Grafik: Renate Koßmann