Rente stärken

Rente muss reichen - auch für Frauen

Rente muss reichen - auch für Frauen

Für gute Arbeit, gleichen Lohn und gerechte Renten

Die Altersversorgung bemisst sich nach Höhe und Dauer der im Erwerbsleben gezahlten Beiträge. Leider werden Frauen oft gering und auch schlechter bezahlt als Männer. Und sie arbeiten sehr viel mehr in Teilzeit, obwohl viele gerne Ganztagsstellen hätten. Trotz Arbeit leben viele Frauen an der Armutsgrenze oder darunter. Und auf die Ungleichheit der Löhne folgt die krasse Benachteiligung beim Alterseinkommen, das bei Frauen etwa 60 Prozent unter dem von Männern liegt. Wenn die jetzigen Regelungen zur gesetzlichen Rente unverändert bleiben und die Renten weiter sinken, steht künftig noch viel mehr Frauen ein Alter in Armut bevor. Damit alle Menschen von ihrer Arbeit leben und für ihr Alter vorsorgen können, haben ver.di und andere den Mindestlohn durchgesetzt, und seit Langem kämpfen wir gegen prekäre Arbeitsverhältnisse und für „Equal pay“. Nun haben alle Gewerkschaften im DGB eine gemeinsame Rentenkampagne gestartet, weil ohne einen echten Kurswechsel in der Rentenpolitik massenhafte Altersarmut droht. Wir fordern: Lohn und Rente müssen für ein gutes Leben reichen!

Oft reicht die Rente nicht für ein gutes Leben

Frauen, die 2015 in Rente gingen, erhielten eine gesetzliche Altersversorgung von durchschnittlich 635 € in den alten und 861 € in den neuen Bundesländern, jeweils nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und vor Steuern. Bei solchen Durchschnittsrenten sind immer mehr Menschen auf Sozialleistungen angewiesen. Ende 2015 war die Zahl derer, die Grundsicherung bezogen, schon auf über 1 Million gestiegen. 3,2 Prozent der Frauen und 2,7 Prozent der Männer brauchen jetzt schon staatliche Hilfe für das Nötigste, und die Rentenpolitik der vergangenen Jahre treibt immer mehr Menschen in diese schwierige Situation, weil das Niveau der gesetzlichen Rente fortwährend sinkt und geringe Renten nicht angemessen aufgewertet werden.

Entscheidend ist die gesetzliche Rente

Für Frauen ist die gesetzliche Rente die wichtigste und oft einzige Quelle der Alterssicherung. Der Zugang zu möglichst von Arbeitgebern finanzierten Betriebsrenten muss für Frauen verbessert werden, denn sie liegen auch bei dieser Form der Alterssicherung erheblich zurück. Und wer für seine Arbeit schlecht bezahlt wird und nur in Teilzeit arbeiten kann oder muss, hat es nochmal viel schwerer privat vorzusorgen.

Verbreitung und Höhe der Renten in 3 Säulen Bundesregierung Verbreitung und Höhe der Renten in 3 Säulen

Beim Rentenniveau zählt jeder Prozentpunkt

Für die Frage, ob Frauen im Alter in Würde leben können, ist das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung entscheidend, und von dessen weiterem Absinken wären Frauen noch stärker betroffen als Männer. Wichtig zu wissen: Wenn Fachleute von Rentenniveau sprechen, ist damit nicht die Höhe einzelner Renten im Verhältnis zum letzten Einkommen gemeint, es bezieht sich auf die Rente für eine „Kunstfigur”, sondern die 45 Jahre lang immer den Durchschnittsverdienst bekommen hat.

Beim gesetzlichen Rentenniveau, das jetzt schon unter 48 Prozent gesunken ist und ohne Kurswechsel unter 43 Prozent sinken würde, setzen unsere Forderungen an.

Rechenbeispiele: Renterwartung ver.di Rechenbeispiele Rentenerwartung

Wir wollen die Stabilisierung des Niveaus bei 48 Prozent und im nächsten Schritt die Wiederanhebung auf rund 50 Prozent. Hinzukommen muss eine Aufwertung von geringen Renten und Erwerbsminderungsrenten auf eine deutlich über der Grundsicherung liegende Höhe. Und: Zeiten von Arbeitslosigkeit und Arbeit bei geringen Einkommen müssen spürbar rentenwirksamer angerechnet werden.

Gesellschaftlich wertvolle Arbeit endlich anerkennen!

Besonders bei Frauen darf sich die Rentenbemessung nicht allein auf Erwerbsarbeit beziehen. Viele Frauen leisten unentgeltliche Arbeit in der Familie, bei der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen. Die rentenrechtliche Absicherung muss bei der Pflege deutlich verbessert werden und für die Erziehung aller Kinder unabhängig vom Geburtsjahr gelten. Diese wertvollen Leistungen für die Allgemeinheit müssen aus Steuermitteln und nicht aus der Rentenkasse finanziert werden. Eine kluge und praxisgerechte „Solidarrente”, die die Grundsicherung aufstockt und sich am regionalen Bedarf orientiert – also dort, wo etwa Wohnen teurer ist, höher ausfällt –, könnte eine Lösung sein, von der gerade Frauen profitieren.

Mitmachen lohnt sich – das zeigen erste Erfolge

Kurz nach dem Start unserer Kampagne ist schon deutlich Bewegung in die Rentenpolitik gekommen. Die Regierungsparteien haben sich auf eine stärkere Förderung der betrieblichen Altersversorgung, auf Erhöhungen von Erwerbsminderungsrenten und die Angleichung der Renten zwischen Ost und West verständigt. Da geht manches in die richtige Richtung, aber leider nicht weit und nicht schnell genug. Wer will, dass die Ankündigungen und Konzepte auch für Frauen noch entscheidend verbessert und dann wirklich Gesetz werden, muss jetzt die Forderungen der Gewerkschaften unterstützen. Und wie sich die Parteien dazu positionieren, muss die Entscheidung bei der Bundestagswahl beeinflussen.

Testimonial: Beschäftigte
Foto/Grafik: iStock-619233794