Rente stärken

Rente muss reichen - auch für Selbstständige

Rente muss reichen - auch für Selbstständige

Selbstständig? Aber sicher!

Rund ein Viertel aller Berufstätigen in Deutschland kennt haupt- oder nebenberufliche Selbstständigkeit aus eigener Erfahrung. Selbstständigkeit steht für Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, freie Zeiteinteilung – aber auch für Auftrags- und Einkommensschwankungen, im Extremfall für neue Abhängigkeit und fehlende Altersvorsorge. Die Grenzen verschwimmen: Hohe und niedrige Einkommen, gute und mangelnde Vorsorge, Selbstständigkeit und abhängige Beschäftigung gibt es nicht selten im Laufe eines einzigen Berufslebens.

Rente muss für ein gutes Leben reichen

Seit Jahren sind die Renten im Sinkflug und inzwischen droht vielen, selbst wenn sie durchschnittlich verdienen und über Jahrzehnte in die Rentenversicherung einzahlen, ein Alter in Armut und Abhängigkeit von staatlicher Hilfe. Deshalb haben alle Gewerkschaften im DGB eine Rentenkampagne gestartet, mit der wir einen echten Kurswechsel bei der Rentenpolitik erreichen wollen. Wir fordern: Die Rente muss für ein gutes Leben reichen! Und wir wollen auch für Selbstständige kein „Weiter so!“, sondern eine gute Alterssicherung auch für alle Menschen, die ein langes und wechselvolles Arbeitsleben hinter sich haben.

Verteilung der Alterseinkünfte ASID 2015 Verteilung der Alterseinkünfte

Sicherheit auch nach wechselhaftem Arbeitsleben

Wechsel zwischen abhängiger Beschäftigung und Selbstständigkeit, Familienzeiten und Erwerbslosigkeit können Lücken in die Versicherungsbiografie reißen. Ein Risiko insbesondere für jene allein arbeitenden Solo-Selbstständigen, die sich keine Vorsorge leisten können. Eine starke staatliche Sicherungssäule ist für Selbstständige unverzichtbar, da sie nicht auf betriebliche und bei niedrigem Einkommen auch nicht auf private Altersvorsorge bauen können. Aber auch wer sich zusätzlich private Vorsorge leisten kann, darf nicht komplett aus der Solidargemeinschaft aller entlassen werden. Unser Ziel: Alle Erwerbstätigen beteiligen sich einkommensbezogen an einer solidarischen Erwerbstätigenversicherung, die wechselnde Lebenslagen berücksichtigt und auch für die Zukunft Generationengerechtigkeit gewährleistet. Auf dem Weg dorthin braucht es Übergangsregeln, beispielsweise für Selbstständige, die bereits jahrelang anderweitig vorgesorgt haben.

Ein solidarisches System statt bloßer Vorsorgepflicht

Schon heute sind Selbstständige bestimmter Berufe gesetzlich zur Vorsorge verpflichtet und müssen die Kosten dafür in ihre Preise und Honorare einkalkulieren. Einige von ihnen sind in der gesetzlichen Rentenversicherung, andere in berufsständischen Versorgungswerken. Drei von vier Millionen Selbstständigen sind derzeit nicht zur Altersvorsorge verpflichtet. Gerecht wäre es,  wenn alle abgesichert wären und sich entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit an der gesellschaftlichen Aufgabe Altersvorsorge beteiligten. Die Beschränkung auf eine bloße Vorsorgepflicht – etwa durch Schaffung neuer Versorgungssysteme – lehnen wir ab. Denn nur ein gemeinsames, umlagefinanziertes System

  • bedeutet Solidarität zwischen gut und weniger gut Verdienenden,
  • erfordert weniger Bürokratie bei der Prüfung, ob wirklich alle vorsorgen,
  • macht komplizierte Übergänge zwischen unterschiedlichen Systemen überflüssig,
  • gewährleistet allen das umfassende Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung und
  • ist nicht den Marktrisiken kapitalgedeckter Systeme ausgesetzt.

Schwankende Einkommenslagen berücksichtigen

Selbstständigkeit hat viele Facetten, auch beim Verdienst. Wie ei abhängig Beschäftigten gibt es gute und geringe Einkommen. Für die Altersversorgung müssen Lösungen gefunden werden, bei denen Schwankungen der Honorare und damit auch der Sparfähigkeit Selbstständiger berücksichtigt werden. Dies gilt für Gründungsphasen, aber auch für Zeiten der Auftragslosigkeit, der  Weiterbildung, in Familienphasen oder bei Krankheit. Hier stehen auch die Auftraggeber in der Pflicht.

Eine gute Rente ist finanzierbar

Die Steuereinnahmen steigen, allein die Lohnsteuer spülte 2015 fast 180 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen. Die Dividenden der DAX-Konzerne erreichen Rekordhöhen, die Produktivität der Arbeit steigt stärker als die Einkommen der Beschäftig ten. Kurz: Wir können uns ein wesentlich leistungsfähigeres gesetzliches Rentensystem mit angemessenen Beiträgen und Steuerzuschüssen absolut leisten. Klar ist: Die Bekämpfung von Altersarmut ist eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft und muss deshalb auch aus Steuermitteln finanziert werden.

Aktiv werden lohnt sich – das zeigen erste Erfolge

Kurz nach dem Start unserer Kampagne ist schon deutlich Bewegung in die Rentenpolitik gekommen. Die Regierungsparteien haben sich u.a. auf Erhöhungen von Erwerbsminderungsrenten und die Angleichung der Renten zwischen Ost und West verständigt. Da geht manches in die richtige Richtung, aber leider nicht weit und nicht schnell genug. Deshalb gilt: Wer will, dass die vorliegenden Konzepte auch für Selbstständige noch entscheidend verbessert und dann wirklich Gesetz werden, muss jetzt die Forderungen der Gewerkschaften unterstützen. Und wie sich die Parteien dazu positionieren, muss die Entscheidung bei der Bundestagswahl beeinflussen.

Testimonial: Selbstständiger
Foto/Grafik: iStock-598524644

ver.di - Wir sind die Gewerkschaft für Selbstständige

Rund 30.000 ver­.­di-Mit­glie­der ver­die­nen ihr Geld haupt­säch­lich als So­lo­-Selbst­stän­di­ge. Vie­le wei­te­re ar­bei­ten ne­ben­be­ruf­lich in die­ser Er­werbs­for­m. ­Selbst­stän­di­ge in ver­.­di sind zwar an­ders be­schäf­tigt als die Mehr­heit der Mit­glie­der, doch ih­re ge­werk­schaft­li­chen In­ter­es­sen sind ganz und gar nicht exo­tisch: Nur in So­li­da­ri­tät un­ter­ein­an­der und mit an­ge­stellt Be­schäf­tig­ten kön­nen So­lo­-Selbst­stän­di­ge auch ge­gen star­ke Auf­trag­ge­ber und po­li­ti­sche Wi­der­stän­de ei­ne bes­se­re Al­ters­si­che­rung er­rei­chen.